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Die Concordia Kirche zu Augsburg, Transvaal

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Bau der Concordia Kirche

Zusammengestellt durch E.S. von Fintel     


Am 7. August 1939 war die Grundsteinlegung der neuen Concordiakirche zu Augsburg.  Die Kirche wurde im rein gotischen Stil gebaut: Kreuzform des Grundrisses.  Spitzbögen der Fenster, Türen und des Gewölbes.  Hoher, schlanker, gen Himmel ragender Turm von 120 Fuß Höhe, und Dachreiter über der Vierung.   Die Länge betrug ebenfalls 120 Fuß und die Breite 90 Fuß.  Es waren 500 Sitzplätze vorgesehen.  Da man keine einwandfreien Backsteine bekommen konnte, bekam die Kirche nach außen hin Zementverputz.  Das Gewölbe bestand aus "Ten Test", der Erfindung eines Deutschen in Natal.  Statt des ungesunden und im Winter sehr kalten Zementfußbodens entschied man sich für einen Holzfußboden.  Die Bauzeichnungen und der Kostenanschlag wurde von dem Gemeindeglied Friedrich Küsel angefertigt.  Ihm wurde von der Gemeinde auch die Bauleitung anvertraut. Er war der schweren Aufgabe voll und ganz gewachsen.  Als während des Baus ein Orkan auf die Kirche los fegte, hatte der Turm seine Probe bereits bestanden.  Während die nahe der Kirche stehende Garage, die für 12 Kraftwagen Raum hatte, hinweggefegt wurde, und ein Verandadach eines Gemeindehauses samt den großen Stein, der auf der Erde liegend als Anker diente, hoch auf das Haus geschleudert wurde, hatte der Turm sich bewährt und auch noch das Gerüst mit getragen.  Alle Arbeiten wurden von Gemeindegliedern ausgeführt.  Die erste Gruppe hatte Steine zu klopfen für das Betonfundament, die zweite hatte eine viertelmillion Backsteine gebrannt und herbeigeschafft.  Die dritte hatte die Mauerarbeit bekommen.  Weitere bekamen die Holzarbeit, Dachstuhl, Turm und Dächer, Innenverputz und so weiter.  Da die Kräfte doch nicht ganz reichten, wurde die Kirche von außen von Auswärtigen (Theodor Prigge und Adolf Paul) verputzt.  Auch die Malerarbeiten, die ja besondere Sachkenntnis erfordert, wurde weiter vergeben.  Da die Gemeindeglieder alle ohne Lohn arbeiteten, wurde der Kostenpreis im Verhältnis zu dem großen Bau doch gering.  Monatelang haben die Gemeindeglieder Zeit und Kräfte dem Kirchenbau geopfert.  Es war eine erquickende Freude, wenn Menschen so in schönster Harmonie zusammen arbeiteten.  Dabei kam der Gemeindesinn so recht zum Vorschein.

Am 7. Juli 1940 war die Einweihung der neuen Concordiakirche.  In den letzten Tagen vor der Einweihung hatte es noch viel Kleinarbeit gegeben.  Die Hausfrauen hatten Berge von Kuchen und Brot gebacken.  Die letzte Arbeit war die Errichtung eines großen Zeltes in der Nähe der alten Kirche.  Hier wurde die Mahlzeit nach dem ersten Gottesdienste eingenommen.  Gott der Herr hatte ihnen für die Feier das schönste Festwetter beschert.  Früher als sonst an den Sonntagen wurde es lebendig auf dem Kirchplatze.  Ein Kraftwagen nach dem andern kam heran gerollt.  Man zählte 160.  Die Nachbargemeinden: Braunschweig, Lüneburg, Koburg, Piet Retief und Wittenberg waren vertreten.  Auch aus entfernteren Gemeinden waren Gäste gekommen.  Die 500 Sitzplätze in der neuen Kirche reichten lange nicht.  Die Bänke der alten Kirche mußten zur Hilfe genommen werden.  Doch mußte eine Anzahl von den 800 Festteilnehmer draußen vor den Fenstern und Türen sitzen.  9:30 Uhr läutete die Glocke der alten Kirche zum letzten Male.  Diesmal zur Abschiedsfeier.  Bald war das Gotteshaus gefüllt.  In dieser Kirche wurden seit 1924 119 Kinder getauft, 66 junge Christen legten hier das Konfirmationsgelübde ab, 140 Paare schlossen den Lebensbund, 17 Verstorbene wurde da die Leichenrede gehalten, etwa 2000 Gottesdienste hat die Gemeinde in dieser Kirche gefeiert.  Wieviel Segen und Freude bedeutet das!  Wie viele ernste Worte wurden in ihr an den Gemeindegliedern gerichtet.  Dort haben sie Freude und Leid Miteinander geteilt.  Der Abschied wurde manch einen doch schwer.  Nach einer Ansprache sang der Männerchor -als letztes Lied in dieser Kirche- "Lobe den Herrn, den mächtigen König der Ehren."

Dann begab sich die Festgemeinde zur neuen Kirche.  Im feierlichen Zuge schritt der Baumeister Friedrich Küsel voran, der den Schlüssel zur neuen Kirche trug.  Dann folgten die Pastoren und Kirchenvorsteher, mit Bibel, Agende und den heiligen Geräten. Und dann die Gemeinde mit den Festgästen.  Da der Weg von der alten zur neuen Kirche nur ganz kurz ist, konnten nur wenige Verse von dem Lied "Nun jauchzt dem Herrn..." gesungen werden.  Vor der neuen Kirche wurde Halt gemacht.  Hier sang die Festgemeinde das Lied "Tut mir auf die schöne Pforte".  Dann wurde der Schlüssel feierlich übergeben.  Dazu sprachen Friedrich Küsel und Pastor Kehrhahn einige passende Worte.  Dann schloß der letzterer die Kirche auf.  Während die Gemeinde einzog, grüßte ihnen vom Chor herab der Männerchor mit dem Liede "Großer Gott".  Wie ergreifend und wundersam wurden von Chor und Festgemeinde die große Doxologie und "Allein Gott in der Höh" gesungen.

Der Weihakt -Ansprache und Weihgebet- wurde vom Präses Bodenstein vollzogen.  Nun läuteten die neuen Glocken zum ersten Mal, und es begann der eigentliche Gottesdienst.  Die Predigt hielt Pastor Kehrhahn.  In diesem Gottesdienst wurde die kleine Sieglinde Klingenberg getauft, die Tochter von Karl Klingenberg und Marie geborene Küsel.

Zwischen den Vorlesungen waren Lieder des Männerchors und des gemischten Chors eingelegt, auch der Posaunenchor ließ sich wiederholt hören.

Die einstündige Pause diente der leiblichen Erquickung, für die die Gemeindefrauen reichlich gesorgt hatten.  Hier trafen sich auch manche Freunde, die sich lange nicht gesehen hatten.

Im zweiten Gottesdienst wurde das Missionsfest gehalten. Die Festprediger waren Missionar K. Dedekind und Pastor Drews.  Um 2:30 Uhr war der zweite Gottesdienst zu Ende.  Als man aus der Kirche kam, standen schon Kaffee und Kuchen bereit.  Um 4 Uhr kehrten die letzten Festgäste nach Hause zurück.




Baumeister: Peter Adolf Jakob FRIEDRICH KÜSEL


Er wurde am 6. Oktober 1886 in Lüneburg, Natal, als ältestes Kind von FRITZ Heinrich Thomas KÜSEL und Anna CATHARINA Amalie FILTER, geboren und dort auch getauft.  Er ist am 10. Mai 1950 in Paulpietersburg, Natal, gestorben und wurde am 12. Mai 1950 in Augsburg, Transvaal, begraben.

Er heiratete  Catharina Dorothea MARIE KOHRS am 11. September 1913 in Lüneburg, Natal.  Sie ist auch als Marichen bekannt.  Sie wurde am 25.August 1889 in Bergen, Transvaal, als ältestes Kind von HEINRICH Christoph Friedrich KOHRS und MARIE Dorothea Margarethe RÖHRS, geboren und in Bergen, Transvaal getauft.  Sie ist am 17. Dezember 1973 in Augsburg, Transvaal gestorben und wurde in Augsburg, Transvaal begraben.  Sie war zuletzt Mitglied der Michaelis Gemeinde in Vryheid.

Lebenserinnerungen an Friedrich Küsel


Friedrich besuchte die Schule in Lüneburg, Natal.  Er erlernte danach die Landwirtschaft, denn es war damals eine Selbstverständlichkeit - das wurde von Söhnen eines Farmers erwartet.

Friedrich, und sein jüngerer Bruder Johannes, hatten  gehört, daß es in Bergen, Transvaal, auf Uitgevallen einige hübsche Töchter in der Kohrs-Familie geben solle, und dazu noch im Heiratsalter!  Kurz entschlossen begaben die zwei Junggesellen sich auf ihre Pushbikes und fuhren dahin.  Sie wurden sehr herzlich aufgenommen.  Die Brautsuche lohnte sich - nicht lange danach verheirateten sich Friedrich und Marichen.  Zwei Jahre später verheirateten sich auch Johannes und Anna.

So kauften sich Friedrich und Marichen sich eine Farm in der Nähe von Paulpietersburg, Natal.  Aber sein Herz war nicht dabei und allmählich zeigte sich bei ihm ein anderes Talent, nämlich das Mauerhandwerk, auch Tischlerei und Architektur.  Das Mauern hatte er bei seinem Onkel, Peter Thompson, gelernt.  Mehr und mehr überließ er die Farmwirtschaft seiner Frau und baute Häuser.  Seine Bauaufträge nahmen ihn sogar bis hin nach Ermelo, wohin er mit seinem Fahrrad fuhr.  

Inzwischen fühlte sich seine Frau sehr einsam, aber hat gemeint, solange sie noch das Atmen ihres Babys neben sich hörte, war sie leidlich getröstet.

Friedrich wurde Mitbegründer der Gemeinde Augsburg im Distrikt Piet Retief in Transvaal.  Wie gesagt, war Friedrich sehr geschickt als Handwerker.  Er konnte alles, was seine Hände nur anpackten!  Und so hatte er sich in den zwanziger Jahren als Architekt und Baumeister der Kirche von Augsburg bewährt.   Er wurde nach Utrecht geschickt, die Kirche dort zu studieren.  Er zeichnete sich alles ganz genau auf.  Diese Pläne waren wahre Kunstwerke!  Als das Bauen dann anfing, mußte jedes männliche Gemeindemitglied sein Teil liefern; dabei behielt Fiddy aber die Aufsicht über die ganze Arbeit.  Er war der schweren Aufgabe voll und ganz gewachsen.  Zum Schluß mußten er und ein Schwarzer aber doch selbst den Turm bauen, weil kein anderer den Mut dazu hatte.  Als während des Baus ein Orkan auf die Kirche los fegte, hat der Turm bereits seine Probe bestanden.

Eine interessante Erzählung aus der Zeit ist, als sein schwarzer Handlanger, der nur mit einem Auge sehen konnte, ihm beim Kirchturmbau half.  Jemand aus der Gemeinde fragte ihn eines Tages: "Hast du eigentlich keine Angst, um nur mit halber Sicht auf diesen hohen Turm zu klettern und zu bauen?", worauf er antwortete: "Wo mein Baas hingeht, da gehe ich auch mit."

Friedrich litt an Zuckerkrankheit und darum hat er die Farm dann an seinen älteren Sohn, Ewald, übergeben.


Am Tag der Einweihung der Concordia Kirche
Links die neue Kirche, in der Mitte die Alte Kirche
und rechts eines der Sonntagshäuser (könnte das
Küselshaus sein)

Concordia-Kirche zu Augsburg, Mpumalanga
2007

 

Friedrich und Marie (geborene Kohrs) Küsel

 
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