Geschichte der Lutherkirche in Pine Street, Pietermaritzburg - deutschekontakte.co.za

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Geschichte der Lutherkirche in Pine Street, Pietermaritzburg

Orte und Gemeinden > Pietermaritzburg

von Eckhard von Fintel (2012)


Die Lutherkirche in Pine Street, Pietermaritzburg

   Bereits bei der Gründung der ersten Handelsstation in Port Natal in 1824 kamen die ersten Christen nach Natal.  Eine Reihe von ihnen waren Deutsche und hatten Beziehungen zu der lutherischen Kirche in Kapstadt.  Zum Beispiel, der Leiter der Siedlung war Francis George Farewell und war mit Elizabeth Schmidt aus Kapstadt verheiratet.  Ihr ältester Sohn wurde am 20. Februar 1825 in der lutherischen Kirche zu Kapstadt getauft.  Aber da die Zahl der Lutheraner klein war, kam es nicht gleich zur Gemeindebildung, sondern man beteiligte sich an den Kirchengemeinschaften die vorhanden waren. Mit der Voortrekker kamen mehr Deutsche nach Natal. Mehrere davon siedelten sich in Pietermaritzburg an.  In den 1840ger finden wir Namen wie Behrens, Elster, Coqui, Hansmeyer, Hansonius, Havemann, Heine, Krogmann, Landsberg, Orthmann, Pistorius, Ripken, Repsold, Rudolph und Schmidt in Pietermaritzburg.

   Es ist interessant festzustellen, daß die deutsche lutherische Kirche in Natal durch einen anglikanischen Engländer und einen deutschen Juden entstanden ist. Der Engländer war Theophilus Shepstone, der in 1846 die lutherischen Missionare Wilhelm Posselt, Ludwig Döhne und Friedrich Güldenpfennig eingeladen hatte unter den Nqwane Stamm im Bereich der Drakensberge zu arbeiten. Zwei Jahre später, im Jahre 1848, hat ein Jude namens Jonas Bergtheil 188 deutsche Siedler nach Natal gebracht. Diese Siedler, in Neu-Deutschland, machten Kontakt mit Wilhelm Posselt, der zu der Zeit in Pietermaritzburg verweilte, und baten ihn, ihr Pastor in Neu-Deutschland zu werden. Damit ist die erste deutsche lutherische Gemeinde in Natal entstanden.  Pastor Bodenstein von der Hermannsburger Synode schrieb 1939 über die deutschen Einwohner in den Städten und meinte weil sie mit Voortrekker Töchtern usw. verheiratet sind, sie für das Deutschtum und der lutherischen Kirche restlos verlorengegangen sind.

   Die Berliner Missionsgesellschaft hatte einer mehr positivere Einstellung.  Döhne und Güldenpfennig beide bedienten Gemeinden aus der Niederländisch-Reformierten Kirche in verschiedenen Zeitabständen während ihres Lebens.  Posselt reiste von Zeit zu Zeit durch den größten Teil von Natal um nach den Bedürfnissen der weit verstreuten Menschen um zu sehen, unabhängig von ihrer Konfession. Er hielt Gottesdienste, Taufen, Trauungen usw.  Er hatte sogar eine niederländisch sprechende Gemeinde, Nieuw Gelderland an der Nordküste.  Am wichtigsten für uns ist, daß er Kontakt gehalten hatte mit den Deutschen in Pietermaritzburg, und so weit festgestellt werden kann, hielt er den ersten deutschen lutherischen Gottesdienst 1851 in Pietermaritzburg in der „Gedenkkerk“. [Die Kirche ist inzwischen als Museum eingerichtet, das in diesem Jahr 100 Jahre alt wird.]

Gottesdienstanzeige in der Natal Witness von 1851

   Durch die Vermittlung mit Posselt konnten acht Hermannsburger Missionare und acht Missionskolonisten (Handwerker, Farmer  usw.) sich 1854 in Natal niederlassen.  Sie gründeten ihre erste Missionsstation im Umvoti Bezirk und nannte es Hermannsburg. Von Zeit zu Zeit hielten sie auch Gottesdienste in Pietermaritzburg. Aus ihrer Arbeit in diesem Gebiet ist 1912 die lutherische Gemeinde Bishopstowe außerhalb Pietermaritzburg entstanden, nachdem eine Reihe von deutschen Farmern, hauptsächlich aus der Neu-Hannover Umgebung kommend, sich dort niederließen.

   In der Anfangszeit kamen eine Reihe von deutschen Reisenden / Forscher, wie Bleek (Philologe), die Drege Brüder (botanischer und zoologischer Sammler), Fritsch (Anatom, Anthropologe, Reisender und Physiologe), Kraus (Naturforscher), Kretschmar (Arzt), Mauch (Geograph) nach Natal und besuchten auch Pietermaritzburg und berichteten über Kontakte mit den lokalen Deutschen.

   Nach Posselts Tod im Jahre 1885 setzte Superintendent Glöckner die pastorale Arbeit in Pietermaritzburg fort.   Unter seiner Leitung wurde versucht, die Gemeinde als solche zu konstituieren. Man legte ein eigenes Kirchenbuch an und bekam von Bernard Schwake Abendmahlsgeräte und dergleichen geschenkt. Aber zu einer festen Gemeindegründung ist es nicht gekommen. Man sammelte sich alle paar Monate zu einem Gottesdienst, genannt ,,Deutschen Tag", im Logensale. Im Jahre 1907 kehrte Glöckner zu seiner alten Missionsstation, Hoffenthal zurück. Danach ging die Teilnahme an den Gottesdiensten erheblich zurück.

   1912 wurde Pastor Gustav Pakendorf von Emmaus (Bergville Bereich) mit der Betreuung der Gruppe in Pietermaritzburg beauftragt.  Am 4. August 1912, dem 9. nach Trinitatis, hielt er den ersten Gottesdienst in Pietermaritzburg. Da gab es mancherlei zu organisieren.  Zuerst galt es, ein einheitliches Gesangbuch einzuführen.  Bisher sang jeder aus dem Gesangbuch seiner Heimat; da gab es Pommersche, Brandenburgische, Berliner alt und neu, Hannoversche, Württemberger, Bayrische, Schweizer usw.  Der Pastor gab den Anfang des Liedes an und jeder suchte es nun in seinem Gesangbuch auf - in manchen war es auch nicht zu finden.  Man einigte sich dann auf das Hannoversche, das schon in manchen Familien vorhanden war.  Am 17. Oktober 1912, bei einem Treffen im Rathaus, wurde beschlossen, eine lutherische Gemeinde in Pietermaritzburg zu gründen. Dann galt es, eine Gemeindeordnung aufzustellen und einzuführen. Ein Entwurf wurde ausgearbeitet und in mehreren Versammlungen durchgesprochen, bis er schließlich am 6. Mi 1913, den 11. nach Trinitatis, als bindende Ordnung angenommen wurde.  Die folgenden Personen unterzeichnet die Verfassung: Pastor G. Pakendorf, G. Hoch, M. Zimmermann, S. Schallenberg, J. Ludewig, E. Schulze und M.E. Piesoldt.  Da die Gemeinde kein eigenes Zuhause hatte, wurden Gottesdienste erst in der Lodge gehalten, dann im Saale des Christlichen Vereins Junger Männer und danach in verschiedene anderen Sälen.  Die Gemeinde richtete auch eine deutsche Sonnabendschule ein, in der den Kinder die deutscher Sprache und Lieder beigebracht wurden, sowie auch Religionsunterricht. Dazu nutzten sie die Halle der reformierten Gemeinde.

   Im Jahr 1914 brach der 1. Weltkrieg aus und zerstörte die ganze Arbeit.  Die Schule mußte geschlossen werden, und Gottesdienste wurden nicht mehr erlaubt. An ihre Stelle trat das Fort Napier Internierungslager.

   Im Jahre 1921 wurde Pastor Pakendorf Superintendent der Berliner Missionsgesellschaft und wurde nach Pietermaritzburg versetzt, wo er eine Missionsstation in der Topham Road gründete. Gleichzeitig begann er den Rest der Deutschen in Pietermaritzburg zu sammeln. Es schien ganz aus zu sein. Viele waren ganz verschüchtert. Sieben Jahre hat die Gemeinde sich nicht mehr getroffen und als sie sich im Oktober 1921 wieder versammelten, um über den Neuanfang zu beraten, waren vier Männer erschienen. Mit Zittern und Zagen wurde beschlossen, am folgenden Sonntag, den 19. Oktober 1921, wieder einen Gottesdienst zu halten, und siehe da, es ging besser als man erwartete.   Viele begrüßten diesen Neuanfang, so auch der Christlichen Vereins Junger Männer und die Erziehungsbehörde.  Frisches Leben pulsierte in der Gemeinde.  Die Erziehungsbehörde hatte ein Klassenzimmer in der „Longmarket Street Girl’s School“ für eine Sonnabendschule zur Verfügung gestellt.  Superintendent Parkendorf hielt den Unterricht.  Man zählte bis zu 35 Kinder.   Der erste Gottesdienst wurde am 23. Oktober 1921 in den Saal des Christlichen Vereins Junger Männer gehalten.  Später wurden Gottesdienste bei den Presbyterianern gehalten.

   Am 31. Dezember 1927 beschloß die Gemeinde, eine Kirche zu bauen.  Jedes Mitglied verpflichtete sich  £10 dafür zu spenden.  Sammellisten wurden aufgestellt und Lose, Kuchen usw. verkauft.   Im Jahre 1929 konnte ein geeignetes Grundstück an der Ecke von Pine und  Longmarket Street für £300 gekauft werden.  Im Jahr 1935 wurde der Plan der Kirche von der Gemeinde angenommen. Hinrich Vorwerk machte ein Angebot die Kirche mit Sitzplatz für 250 Personen zu einem Preis von £ 1150 zu bauen. Sein Schwiegersohn, Hermann Voigts, half ihn dabei. Am 17. März 1936 wurde der erste Spatenstich gemacht und die Bauarbeit ging los. Die Gemeinde bestand dann aus 102 Seelen und 15 Kinder wurden an der deutschen Samstagschule gelehrt.  Am 27. September 1936 wurde dann die "Lutherkirche"  von Superintendent G. Pakendorf geweiht. Anwesend waren Dr. von Strahl, Bürgermeister Allison, Pastor Karallus und 350 Leute. Der Chor der Deutschen Vereinigung sang wunderschöne Chorstücke.  So hat die Pietermaritzburger deutsche Gemeinde nun ein Heim, in dem sie ihrem Gott ungehindert dienen kann, und in dem sie sich nun allsonntäglich versammelten, um ihren Gott zu loben. Die Stadt Pietermaritzburg hat nun ein würdigeres deutsches Denkmal als das alte Gefangenenlager Fort Napier.  Mit Dank gegen Gott schaut die Gemeinde auf ihre ,,Lutherkirche", die sie stets zuruft: ,,Ein feste Burg ist unser Gott!"  Anläßlich der Feier hat die Berliner Mission die Gemeinde ein Taufbecken und eine Bibel (in zwei Bänden) geschenkt.  Die meisten der Kirchenbänke wurden geschenkt.  Das Altargemälde, von Dr. Elly  Holm, wurde von ihrem Schwager Dr. Georg Paul Johannes Trümpelmann geschenkt. Der Liedertafel wurde von Herrn Deppe gemacht.

   Fräulein Behn, eine ehemalige Schülerin der Schule, wurde 1930 als Lehrerin angestellt.  Schon 1934 mußte die Schule wegen Mangel an Kindern geschossen werden.

   1937 wurde ein Gemeindefiliale in Ennersdale, in der Nähe von Estcourt, gegründet.  Deren Vorsitzende nahm an den Sitzungen des Kirchenvorstandes in Pietermaritzburg teil.  In 1943 wurde die Filiale Teil der Bergville Gemeinde.

   In 1939, bei Ausbruch des 2. Weltkrieges, bestand die Gemeinde aus 153 Mitgliedern. Sie hatten eine deutsche Sonnabendschule, Sonntagsschule, Blas- und Sängerchor.  1942 bat man Superintendent Pakendorf Gottesdienste für die Deutschen Kriegsgefangenen im Oribi Lager zu halten. Die Gemeinde half Essen und andere Gegenstände, die die Gefangenen brauchten, zu besorgen.

   1944, nachdem Superintendent Pakendorf in dem Ruhestand trat, wurde die Gemeinde von Pastor Georg Karallus aus Neu-Deutschland übernommen. Im folgenden Jahr wurde er Pastor in Pietermaritzburg.

   In August 1949 wurde die „Deutschen Vereinigung Pietermaritzburg“ wieder aktiv. (Ursprünglich 1930 gegründet) Dessen Chor, geleitet von Johann Rohwer, kam jeden Sonntag zusammen. Von den 50 Mitgliedern waren viele Jugendliche.  Ihre Treffen fanden in Abwechselnd in den Häusern von Johann Rohwer und Herr H. Vorwerk statt.  Da die Luthergemeinde eine geeignete Halle für ihre Veranstaltungen benötigte, planten sie mit einen Bunten Abend Geld für diesen Zweck zu sammeln.  Der "Deutsche Verein" gab seiner vollen Unterstützung dazu. 1953 hatte der „Pietermaritzburger Studentenverein“ eine Tour durch Natal gehalten mit Bunten Abenden in den deutschen Gemeinden. Ein Teil des gesammelten Geldes, R75, wurde dem Baufonds für eine Deutschen Halle in Pietermaritzburg gespendet.  Diese Gemeindehalle konnte 1963 durch Pastor Georg Karallus eröffnete werden. Die Halle bekam den Namen "Jubiläumshalle" als Erinnerung an die Gründung der Gemeinde vor 50 Jahren.


Die Jubiläumshalle

Nachdem Pastor Karallus 1964 Pietermaritzburg verließ, wurde Pastor Ewald Heiligendorff Pastor der Gemeinde. Er trat entscheidend dazu bei Mitteln und Wegen zu finden, die verschiedenen lutherischen Gemeinden einander näher zu bringen.  Dies führte schon im selben Jahr zur Mitgliedschaft in der Evangelisch-Lutherischen Kirche im Südlichen Afrika (Transvaalkirche).  Weitere Zusammenschlüsse folgten später.

   1967 wurde auf Initiative von Herrn Egon Henschel ein Posaunenchor ins Leben gerufen. Die erste Übung fand im Hause von Pastor Heilgendorff statt an der acht Bläser teilnahmen.  Die Gemeinde bestand in dem Jahr aus 267 Mitgliedern. 1968 fand der erste offizielle Auftritt der Blaskapelle am Himmelfahrtstag im Freien statt.  1968 beteiligte sich der Chor zum ersten Mal am Posaunenfest der Hermannsburger Kirche, das in Bishopstowe stattfand.  Nach diesem Ereignis begannen die Chöre von Pietermaritzburg und Bishopstowe gemeinsam zu üben, abwechselnd in Pietermaritzburg und Bishopstowe.

   1969 wurde die Union Lutheran Church in Pietermaritzburg gegründet für die Englisch sprechenden Lutheraner in der Umgebung.  Sie wurde von Pastor Otte aus Durban bedient.  Diese Gemeinde benutzte die "Lutherkirche".  Im selben Jahr kam es auch zur Bildung des Parochialverbandes zwischen den Gemeinden Pietermaritzburg, Bergville und Ladysmith mit dem Ziel, einen vollzeitigen Pastor zur Versorgung diese Gemeinden zu berufen.  Die Gemeinde Pietermaritzburg kaufte ein Haus, 6 Medwood Place, in Pietermaritzburg für ihren Pfarrer. Am 25. Oktober 1970 wurde Pastor Seegelken als Pastor der Gemeinde eingeführt.  Er bemühte sie weiter dafür, eine verstärkte Zusammenarbeit unter den Lutheranern in der Region zustande zu bringen.  In Februar 1971 fing man mit an gemeinsame Gottesdienste mit der lutherischen Gemeinde in Bishopstowe zu halten. Am 28. Mai 1972 fand der erste gemeinsame Gottesdienst mit der Union Lutheran Church statt. Im Oktober 1872 wurde der erste gemeinsame Gemeindebrief von den Gemeinden Bishopstowe und Pietermaritzburg und der Evangelische Jugend herausgegeben.  Die Beziehungen zwischen den Gemeinden verbesserte sich so weit, daß 1974 die Gemeinden Bishopstowe, Pietermaritzburg und die Union Lutheran Church ein Grundstück in Hayfields (3 Bester Road) für einen Kirchenbau kauften. Im gleichen Jahr fingen die Gemeinden Bishopstowe und Pietermaritzburg an alle Gottesdienste gemeinsam zu halten. 1975 wurde ein weiteres Grundstück (38 Military Road) in der Nähe von der geplanten neuen Kirche erworben um ein neues Pfarrhaus darauf zu bauen.  Endlich im Jahre 1976 beschlossen die Gemeinden Bishopstowe und Pietermaritzburg sich zu vereinigen.

   Am 25. Juli 1976 fand der Abschiedsgottesdienst von Pastor Seegelken statt.  Bei dieser Gelegenheit machte er den ersten Spatenstich für das Lutherische Zentrum in Hayfields.

   Am 29. August 1976 entweihte Vize-Präses Kauffenstein die Lutherkirche, nachdem sie an Kupugani verkauft wurde. Später wurde das Gebäude als Kunstzentrum benutzt und danach in einer Spielhalle umgewandelt.  Alle waren hoch erfreut als 1992 das „Evangelical Seminary of Southern Africa“ (ESSA) die "Lutherkirche" kaufte, sie renoviert und 1996 wieder als Gotteshaus einweihte.

Das ESSA-Kreuz

Quellen:

  • von Fintel, E.S. 2011.  Chronicle of the ‘Lutherkirche’ in Pine Street,  Pietermaritzburg

Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü